Lichtblick 

Geschichten für Fotofans.

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In Zwischenräumen fotografieren

Als ich 1989 begann über Ausstellungen zu berichten, hatte ich schon oftmals Künstler daheim, in ihrer Werkrstatt porträtiert. Nun ging es aber darum die kurzen Momente einer Pressekonferenz zu nutzen um aussagekräftige Zeitungsfotos zu schießen. Ulrich Meister war ein Künstler, der einen roten Plastikeimer oder einen Regenschirm irgendwo hinstellte. Ein leerer Raum, eine weiße Wand und ein einzelner Alltagsgegenstand. Eine ganz besondere Herausforderung wenn obendrein der Künstler die Zusammenarbeit mit dem Fotografen auf ein Minimum reduziert. Keine spontanen Gesten, kein Arbeiten am Kunstobjekt, nichts was die Szene "beleben" könnte. In der Regel ging es dann darum auf unvorhersehbare Ereingnisse zu lauern, bereit zu sein den Auslöser zu drücken, wenn keiner auf die Idee kam zu fotografieren. Nicht darauf zu warten, bis die Szene abgeklärt war sondern gespannt wie ein Bogen auf die Zwischenräume zu achten. Momente zwischen dem Zu-früh und dem Zu-spät.

An diesem Morgen traf es sich, dass der Künstler noch etwas am seinem Kunstobjekt richten musste. Ein kurzer und ungeplanter Augenblick, eine hundertfünfundzwanzigstel Sekunde, die über das Gelingen des Bildes entschied. Die Zeitung titelte über diesem Foto: Kniefall vor der Kunst.

Ausstellung Kunsthalle Kiel, Ulrich Meister, um 1989


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