Lichtblick 

Geschichten für Fotofans.

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Aktfotografie

Das analoge Zeitalter ist mit der digitalen Fotografie endgült verabschiedet worden. In den 90ger Jahren mussten sich die Kursteilnehmer noch mit 36 Aufnahmen pro Film begnügen. Eine Disziplin, der man sich heute nicht mehr unterwerfen muss. Sind die Bilder deshalb besser geworden, wenn ungebremst Datenspeicher verbraucht werden kann? Scheinbar nicht. Was auf der einen Seite gewonnen wurde, muss auf der anderen Seite als Verlust beklagt werden: Die Fähigkeit sich einem kreativen Prozess zu unterwerfen. Und sei es nur das Warten, bis ein Film entwickelt ist. Parralle dazu hat sich ab auch noch etwas anderes gewandelt. Der Umgang mit Nacktheit ist kaum mehr ein Thema. Nicht auf der Seite der Fotografen und Fotografinnen aber auch nicht auf Seiten bereitwilliger Fotomodelle, die für ein Normalhonorar arbeiten würden. Die Verfügbarkeit digitaler Aufnahmen, die Möglichkeit der ungewollten Weitergabe in Facebook und Twitter mag hier ausschlaggebend sein. Bleibt die Frage, welchen Stellenwert Körper und Erotik überhaupt noch einnehmen dürfen? Ist es doch die Fotografie, die viel dazu zu sagen hätte.

Mariann, Kiel um 1997

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