Lichtblick 

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Wenn ich den Bildband Die Bonner Republik durchblättere steht mir meine Jugend wieder vor Augen. Die politischen Größen jener Zeit wurden von einem Fotografen begleitet, der meine Wahrnehmung von denen da oben wesentlich mit prägte. Seine Bilder gingen durch die großen Magazine, ans Internet war noch nicht zu denken. Später während des Studiums sagte mir der deutsche Bildjournalismus nicht viel. Ich empfand die Fotografie zu sehr angepasst an Seherwartungen und Sehgewohnheiten. Vielleicht war es auch nur mein Verlangen neue Bildwelten zu entdecken, auf denen sich nicht der Staub vergangener Jahre abgesetzt hatte. Die Bilder Darchingers und anderer seiner Kollegen empfand ich bald als Hofberichterstattung, Darstellungen wie sich die Mächtigen sehen wollten und wie sie gesehen werden sollten. Als ich Josef Darchinger auf einer meiner Ausstellungseröffnungen und später auf seiner großen Retrospektive im Willy-Brand-Haus in Berlin traf, begegnete mir der Mensch Darchinger hinter seiner Fotografie. Mir wurde bewusst, dass sein Lebenswerk auch davon abhängig gewesen war, wie aufgeschlossen, freundlich und entschlossen sein Auftreten sein musste. Er gewann Vertrauen, weil er die Menschen für sich gewann. Er nahm sie in die Begeisterung für Fotografie mit hinein. Wer kann einem solchen Mann widerstehen, der einfach das lebt was er sieht und fotografiert. Danke Jupp für das Bildzeugnis einer Zeit, die aus heutiger Sicht heil und überschaubar wirkt. Eine Zeit, in der Politik noch nahbar und von menschlichen Zügen gezeichnet war. Eine Zeit, in der die Pressefotografie noch nicht zwischen Werbeeinschüben und Datenschutz ihre Daseinsberechtigung weitgehend eingebüßt hat. Der Staffelstab liegt heute vielleicht mehr bei den Freizeitfotografen, die es wagen die Kamera von sich selbst auf die Welt um sich herum zu richten. Wie das geht hat Josef Heinrich Darchinger vor gemacht.




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Als ich Lang Lang am 9.8.2005 das erste mal traf war es eine Offenbarung. Ein Künstler, der rückhaltlos Gefühle zeigte. Das Publikum sollte ihn bald in aller Welt dafür lieben. Musik und äußere Form bildeten eine Einheit, wie ich sie selten bei Auftritten erlebte. Wie es meine Art war, hatte ich mich in etwa 15 Metern Entfernung in einen Winkel des Konzertsaals gekauert, meine Kamera mit Schallschutz versehen und wie ein Jäger auf das Erscheinen eines scheuen Rehs gewartet. Dabei ging es weniger um die Empfindlichkeit des Künstlers selbst als um das Publikum, das mich in keiner Weise bemerken durfte. Ich galt beim Veranstalter als unsichtbar und musste meinem Ruf immer wieder neu gerecht werden. In der Regel bedeutete dies dreißig bis sechzig Minuten lang möglichst regungslos aktiv zu sein. Auge, Ohr und Verstand sind in solchen Situationen äußerst angespannt und lauerten auf die richtigen Momente. Alles stimmte an diesem Abend. Meine Berechnung, durch den aufgeklappten Flügel ein gutes Blickfeld zu haben, hatte sich bestätigt. Die Reflexe des Klavierdeckels wirkten wie Klangtropfen und vollendeten diesen Moment zu einem unvergesslichen Bild.



Lang Lang 2005, Kieler Schloss



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Als ich Emmet und Edith Gowin 1994 in New Jersey besuchte, bat ich sie vor ihrem Haus für ein Erinnerungsfoto zu posieren. Beim genauen Hinschauen wird der gewisse Größenunterschied zwischen den beiden sichtbar. Ein Unterschied, den Edith zu aller Zeit durch ihr Selbstbewusstsein wett gemacht hat. Emmet war weltweit durch seine ganz unkonventionellen Familienaufnahmen bekannt geworden, die in deren früheren Zuhause auf dem Land entstanden. Jetzt war er Professor für Photography an der Princton University und vermittelt seine Erfahrungen an Erstsemester. Siehe auch „American Memory“, Axel Nickolaus, 2019.


Wie Emmet einmal zugab, entstanden seine runden Bilder aus Versehen. Er hatte einfach ein falsches Objektiv benutzt, das für seine Großbildkamera einen zu kleinen Bildkreis hatte.

Princton, NJ 1994

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